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Der deutsche Mittelstand gilt als Rückgrat der Wirtschaft, doch bei einem Thema hinkte er lange hinterher: der Automatisierung. Zu teuer, zu komplex, zu exklusiv – so lautete das Urteil über Industrieroboter. Dann kamen Mladen Milicevic und Kevin Freise. Mit ihrem Startup Unchained Robotics haben sie es sich zur Aufgabe gemacht, genau diese Barrieren einzureißen. Heute ist das Paderborner Unternehmen ein strahlendes Beispiel für die Innovationskraft Ostwestfalen-Lippes (OWL) und ein stolzes Mitglied der Founders Foundation Alumni-Community.
Die Geburtsstunde einer Vision: Von China zurück nach OWL
Die Idee für Unchained Robotics entstand nicht in einer Garage in Deutschland, sondern während Mladens Zeit in China. Dort erlebte er, wie pragmatisch und schnell Automatisierungslösungen implementiert werden können. Zurück in Deutschland war der Kontrast groß: Langwierige Prozesse und enorme Kosten schreckten KMU ab.
Die Vision war klar: Eine Plattform zu schaffen, die Robotik so einfach zugänglich macht wie den Kauf eines neuen Laptops. Doch eine Vision allein baut kein Unternehmen. Hier kam die Founders Foundation ins Spiel.
Der Beschleuniger: Unchained Robotics im Accelerator
2019 startete das Team im Accelerator-Batch #6 der Founders Foundation in Bielefeld. Für die Gründer war dies der entscheidende Wendepunkt. Während sie die technologische Expertise mitbrachten, bot die Founders Foundation das notwendige „Betriebssystem“ für den unternehmerischen Erfolg.
In der Founders Foundation lernten sie, ihr Geschäftsmodell zu validieren, Pitch-Decks zu schleifen und – was am wichtigsten war – Zugang zu einem Netzwerk aus Mentoren und Industriegrößen zu finden. Das „Perfect Match“ zwischen Tech-Talent und strategischem Business-Building ist der Kern dessen, was die Ausbildung in Bielefeld ausmacht.
“Mit der Robotic Plug & Play-Lösung MalocherBot bietet das Startup ein komplettes Ökosystem für häufig automatisierte Prozesse. Technologie kann uns helfen, die Schmerzpunkte des Fachkräftemangels zu adressieren und die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern”, sagt Dominik Gross, CEO der Founders Foundation.
Demokratisierung der Robotik: Der Marktplatz und der „MalocherBot“
Was macht Unchained Robotics so besonders? Das Startup agiert als unabhängige Plattform und digitaler Systemintegrator. Anstatt Kunden an eine bestimmte Marke zu binden, bietet das Portal Transparenz über Preise und Kompatibilitäten hinweg.
Die Kernprodukte im Überblick:
- Der Online-Marktplatz: Eine herstellerunabhängige Plattform zum Vergleichen und Kaufen von Roboterarmen, Greifern und Kameras.
- Der MalocherBot: Eine schlüsselfertige Plug-and-Play-Lösung für Standardaufgaben wie Palettieren oder Maschinenbeschickung. Er macht seinem Namen alle Ehre und übernimmt die „einfache Maloche“, für die oft Personal fehlt.
- LUNA Software: Das digitale Gehirn, das die Integration verschiedener Systeme in wenigen Stunden ermöglicht – statt Wochen.
Der Sprung in die Champions League: Arvato-Investment und globale Skalierung
Ein aktuelles Highlight der Unternehmensgeschichte ist der Einstieg des Logistikriesen Arvato (eine Bertelsmann-Tochter) im März 2026. Mit einer Minderheitsbeteiligung und einer strategischen Partnerschaft zündet Unchained Robotics die nächste Stufe.
„Automatisierung muss heute vor allem eines leisten: schnell wirken“, sagt Frank Schirrmeister, CEO von Arvato. „Mit der Partnerschaft mit Unchained Robotics beschleunigen wir den Einsatz von Robotik in unserer operativen Logistik. Wir entwickeln Lösungen aus der Praxis für die Praxis – und setzen Robotik gezielt als Beschleuniger für skalierbare Implementierungen ein.“
„Arvato bietet uns Zugang zu hochkomplexen, internationalen Logistik-Setups, in denen wir unsere Lösungen direkt im realen Betrieb weiterentwickeln können“, sagt Gründer Mladen Milicevic. „Durch den engen Austausch mit den operativen Teams steigern wir die Effizienz im gesamten Warehouse und bringen unsere Robotiklösungen schneller zur Marktreife.“
Ziel ist es, eine dreistellige Anzahl von Robotern in den kommenden Jahren weltweit auszurollen – von europäischen Standorten bis in die USA. Es ist eine klassische Win-Win-Situation: Arvato profitiert von flexibler Automatisierung, und Unchained Robotics erhält ein Testfeld von globalem Ausmaß. Diese Verbindung unterstreicht auch die Brücke zur Bertelsmann Stiftung, der Wiege der Founders Foundation.
Fazit: Die Zukunft ist „Unchained“
Die Geschichte von Unchained Robotics ist mehr als nur eine Erfolgsstory über Roboter. Sie ist ein Beweis für drei Kernwerte der Founders Foundation:
- Regionale Stärke, globaler Impact: Gegründet in Paderborn, geschliffen in Bielefeld, im Einsatz weltweit.
- Hands-on Mentalität: Vom MalocherBot bis zur schnellen Implementierung – hier wird nicht nur geredet, sondern umgesetzt.
- Netzwerkeffekte: Die Verbindung von Uni-Spin-offs (garage33), Acceleratoren (Founders Foundation) und Weltmarktführern (Arvato/Mittelstand).
Unchained Robotics hat bewiesen, dass High-Tech-Unternehmern aus der „Provinz“ den globalen Markt aufmischen können. Als Alumni der Founders Foundation bleiben sie Vorbilder für die nächste Generation von Gründerinnen und Gründern, die im Herzen von OWL an den Lösungen für morgen arbeiten.
Für den Mittelstand bedeutet das: Die Ära der komplizierten Automatisierung ist vorbei. Dank Unchained Robotics ist die Robotik endlich für alle „entfesselt“.