Blogbeitrag_Ökosystem_Dominik

5 Jahre B2B Startup Ökosystem der Founders Foundation

Unser Co-Founder und CFO Dominik reflektiert die Entwicklung des einzigartigen B2B Startup Ökosystems in Ostwestfalen-Lippe, wirft dabei einen Blick in die Vergangenheit und hält fest, welche Erfolgsfaktoren das Grundgerüst unseres Netzwerks stärken. 

Eine Oase in der Startup Wüste

Die regionale und nationale Startup Landschaft im Jahr 2015 war alles andere als zukunftsfördernd: Europäer:innen waren im Allgemeinen deutlich weniger gründungsaffin als bspw. die Chines:innen oder Amerikaner:innen. Deutschland war dabei im europäischen Vergleich eher abgeschlagen und außerhalb der Metropolen wie Berlin oder München passierte in dem Bereich nicht viel. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken und die immer kürzeren Innovationszyklen der digitalen Disruptionskultur aktiv mitzugestalten stand fest: Unternehmerische Talente müssen aktiviert werden!  

Bei meiner internationalen Recherchereise 2015 habe ich mir persönlich ein Bild davon gemacht, was in erfolgreichen Startup Ökosystemen wie New York, Boston, San Francisco und Tel Aviv tatsächlich passiert. Im Gedächtnis geblieben ist mir dabei vor allem, dass ein Inkubator in Yeruham mitten in der Negev Wüste in Israel funktioniert. Und wenn es dort klappt – warum nicht auch in der Startup Wüste Ostwestfalen-Lippe? 

So starteten wir die Founders Foundation im Jahr 2016 ganz in Manier des Claims der Bertelsmann Stiftung “Menschen bewegen – Zukunft gestalten” mit dem Ziel, mehr unternehmerische Zukunftsgestalter:innen auszubilden und im deutschen Hinterland – dem Herzen der BIP Wertschöpfung – ein Pilotmodell für ein Startup Ökosystem zu entwickeln. 

Dominik Gross, Liz Mohn & Sebastian Borek (v.l.) 2016
Dominik Gross, Liz Mohn und Sebastian Borek (v.l.) 2016

Bielefeld und die Flächenregion Ostwestfalen-Lippe waren hierfür der ideale Standort als Stereotyp für Deutschlands Fläche außerhalb der größeren Ballungsräume.

Der Weg zum B2B Startup Ökosystem 4.0

Der Startschuss ist nun 5 Jahre her und wir blicken zurück auf eine erstaunliche Entwicklung unseres Ökosystems. Eine zentrale Frage stellen wir uns dabei allerdings bis heute: wie kommen wir von der ersten Version des Startup Ökosystems auf eine Version 4.0? Um diese Frage kontinuierlich auf unserer Mission für uns zu beantworten, müssen wir zweierlei Dinge beachten: zum einen müssen wir das Henne-Ei-Problem lösen, indem der Ansporn “Gründer:innen ziehen Gründer:innen” aktiv gelebt wird und zum anderen müssen wir eine “Grassroot Bewegung” zur nachhaltigen Entwicklung des Ökosystems starten. 

Folgende Schritte haben sich für uns dabei in den letzten 5 Jahren als klare Erfolgsfaktoren herausgestellt:

  • Gründer:innen ziehen Gründer:innen 

Was sich zunächst nach “soweit so leicht” anhört, wird schwer, wenn es quasi kaum Startups in der Region gibt. Wir haben die Gründerkultur von Beginn an vorgelebt mit einem erfolgreichen Entrepreneur an der Spitze: meinem Mitgründer Sebastian. Nach dem Motto “Make things not slides!” haben wir gemeinsam die ersten Startup Events umgesetzt und Klinken geputzt. Unser erstes Event fand bereits vor der Gründung statt, im Innenhof einer Bielefelder Szene Bar, im Januar draußen bei plus zwei Grad mit Spanferkel und heißem Sliwowitz. Es kamen knapp 25 Personen und damit wahrscheinlich jeder, der in Bielefeld das Wort “Startup” schon mal in den Mund genommen hat. 

Es folgten weitere Events, z. B. der  Gründermontag der Fachhochschule des Mittelstands und die erste Founders Startup School (damals Founders Academy) mit Dr. Jan Brinckmann von der ESADE Barcelona. Aus 40 Teilnehmer:innen an diesem Event haben sich knapp zehn Teams entwickelt. In der Folge ist das Founders Foundation Education Model entstanden. Ein Ansatz, der Theorie und Startup Praxis verbindet. Unternehmer:innen bringen Unternehmer:innen das Gründen bei. Die Neugierde in unseren Formaten gewinnt. 

Startup School Begrüßung 2020
Startup School Begrüßung 2020

Von der Startup School, über das Lab, den Accelerator und die Executive Masterclasses wird in unserem Founders Foundation Education Model heute das Wissen entlang der jeweiligen Gründerreise immer spezifischer vermittelt. Entstanden ist ein Ansatz für die Gründer:innen-Ausbildung und damit der Kern einer kleinen Gründerszene.

Teams wie Semalytix, Valuedesk, Zahnarzt-Helden, Prodaso, Margin und Co. haben es verstanden die Vorteile einer lokalen Szene und die vertrauensvollen Beziehungen für sich zu nutzen. Seitdem wächst der Nukleus an Gründerkultur Jahr für Jahr. Aktuell zählen wir im Ökosystem 119 Startups

Die reine Anzahl ist dabei weniger entscheidend als die Entwicklung einer Entrepreneurship Kultur. Die Masse an Gründungen erzeugt Relevanz, ob in den Wirtschaftsförderungen und Initiativen, den Hochschulen, den traditionellen Unternehmen oder in den Medien. Hierdurch entsteht eine notwendige Auseinandersetzung mit Unternehmertum und folglich Transparenz über den alternativen Karriereweg.

  • In Ökosystemen denken heißt in Netzwerken denken

Startup-Wissen und  -Erfahrung sind wichtige Erfolgsfaktoren in Ökosystemen. Die Unterstützung von Gründer:innen und Expert:innen aus anderen Ökosystemen ist gerade am Anfang entscheidend. Letztlich sind Startup-Gründer:innen zu Beginn immer auf der Suche nach Wasser in der Wüste, wenn sie nach Investor:innen, Mitarbeiter:innen und ersten Kund:innen Ausschau halten. Diese überlebensnotwendigen Stationen muss ein nachhaltiges Ökosystem bieten. 

Zahlreiche Gründer:innen und Expert:innen aus Berlin, München, Tel Aviv etc. haben mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung dazu beigetragen, dass das B2B Startup Ökosystem in Ostwestfalen-Lippe wächst und die Startups sich in die richtige Richtung entwickeln. 

Das Startup Ökosystem funktioniert, weil Gründer:innen aus verschiedenen Phasen des Startup Lebenszyklus zusammenarbeiten, im engen Austausch mit Investor:innen stehen, Hochschulen in der Lage sind Technologie und Wissenschaft in Produkt und Umsatz zu transferieren sowie ein direkter Zugang zum Markt besteht. 

Academy Pitchday 2017
Netzwerken beim Academy Pitchday 2017

Das Zusammenwirken aller Akteur:innen im Ökosystem wird damit zum Erfolgsmodell. Kollaboratives Denken und Handeln gewinnt.

  • Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht

Nachhaltigkeit heißt Bottom-up Arbeit. Erfolgreiche Startup Gründungen dauern und explodieren nicht einfach aus dem Nichts. Mit den wachsenden Startups wächst das Umfeld. Mehr Business Angel, mehr Venture Capital, mehr Deals, mehr Startup-erfahrenere Anwält:innen und Steuerberater:innen, mehr B2B-Kund:innen und letztendlich mehr Kompetenz für neue Geschäftsmodelle entstehen mit der Zeit. 

Der Satz “Money makes the world go round” ist wahrscheinlich im kapitalistischen und Investment-getriebenen Startup Segment wahrer denn je. Für den Aufbau von Startup Ökosystemen wird er jedoch zumindest für die Startphase überschätzt. Hohe Millionenbeträge – gerne aus öffentlicher Hand – werden in Ökosystemen eingesetzt, damit Gebäude gebaut und vorhandene Stellen werden durch Umwidmungen öffentlich refinanziert. Wissenschaftliche Mitarbeiter:innen an der Hochschule werden somit im Handumdrehen zu Startup-Coaches. Die Wirkung der eingesetzten Mittel hinterfragt kaum jemand. Mittelfristige Effekte verpuffen dann gerne mal. Die Founders Foundation ist zwar auch gut finanziert, aber gerade in der Startphase sind wir mit dem Fokus auf wirkungsorientierte Ausgaben deutlich unter dem avisierten Ausgaben geblieben. Die Bertelsmann Stiftung verfolgt mit der Founders Foundation einen anderen Ansatz. 

Startup Dichte in der Region zwischen 2016 und 2020
Startup Dichte in der Region zwischen 2016 und 2020

Über einen Zeitraum von zehn Jahren wird das Pilotmodell iterativ weiterentwickelt. Jahr für Jahr wird dabei kontinuierlich das Modell der Gründerinnen-Ausbildung angepasst, die systematische Messung der Startup Dichte, die Performance und das Funding geprüft sowie die Entwicklung von Startup-Wissen und der Zugang zum Markt gestärkt.

  • Ehrliche Benchmark ziehen

Für unsere Startups und für uns selbst gilt: Was man nicht messen kann, kann man nicht lenken. Diese brutal ehrliche Formel gilt also auch für das B2B Startup Ökosystem. Der Weg ist sehr weit, wenn wir uns mit ähnlich großen Städten wie Tel Aviv vergleichen, denn das Hinterland of Things ist noch jung und wächst. Trotzdem hilft der Blick auf die Vorreiter, um den Fokus zu wahren. 

Digitale Geschäftsmodelle funktionieren global und trotz aller Aktivitäten hängen Deutschland und Europa zurück. Ostwestfalen-Lippe ist eine der stärksten Wirtschaftsregionen in Deutschland, NRW eine der stärksten in Europa. Laut Startup Monitor ist NRW mittlerweile Gründerland Nummer Eins und innerhalb NRWs hat sich die Verteilung der Startup Gründungen in den letzten Jahren deutlich mehr in Richtung der Flächenregionen entwickelt. 

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die großen Deep-Tech Gründungen und Unicorns aus München und Berlin kommen. Die Flaschenpost-Übernahme durch Dr. Oetker zeigt uns, was auch hier möglich ist. Die Aktivierung von unternehmerischen Talenten bleibt der Schlüsselfaktor, damit wir die nächsten Whitespots, die sich aus den Ergebnissen des Monitorings und der Benchmark-Analysen ergeben, einfärben.  

Dr. Albert Christmann (Dr. Oetker) und Filip Dames (Cherry Ventures) im Panel auf der Hinterland of Things 2020
Dr. Albert Christmann (Dr. Oetker) und Filip Dames (Cherry Ventures) im Panel auf der Hinterland of Things 2020
  • Fokus auf B2B im Herzen des Mittelstands

Fokus hilft immer und wenn es um den Aufbau eines nachhaltigen Startup Ökosystems hier in der Region geht, sollte der Fokus ganz klar auf dem Bereich B2B liegen, denn alles andere wurde verschlafen oder bereits aus Berlin heraus gegründet – soweit die gängige Meinung. Die Positionierung des Ökosystems ist trotzdem wichtig. Die Hauptstädte wie Berlin, London, Paris oder Lissabon gewinnen allein durch den Standort Talente. Bielefeld und Ostwestfalen-Lippe hingegen erzeugen bei vielen erstmal die Assoziation mit Provinz, Pampa und Hinterland. Eben dieses Hinterland of Things steht allerdings für B2B. Bielefeld ist die Hauptstadt des Mittelstands. Die Besonderheit der Region liegt in der Vielfalt der familiengeführten mittelständischen Unternehmen und dem Branchenmix. Eben diese unterschiedlichen Branchen müssen sich alle mit den aktuellen Innovationen in Bereichen wie Cloud-Infrastruktur und vertikalen Software as a Service Lösungen, B2B Marktplätzen und Plattformen, Big Data Analysen, Cryptoinfrastruktur und Blockchain, Logistik und Mobilität, Klimawandel etc. auseinandersetzen. Spitz formuliert ist das Hinterland of Things das repräsentative Labor für die Skalierung von Geschäftsmodellen in den genannten Technologiefeldern mit Fokus auf Industrieunternehmen. 

Unser Founders Foundation Alumni Valuedesk beispielsweise digitalisiert Kernprozesse der Einkaufsabteilungen in Unternehmen und optimiert damit deren Kosten.

Valuedesk Gründerteam
Valuedesk Gründerteam

Die ersten Kund:innen stammen aus diversen Branchen vom Maschinenbau bis zur Lebensmittel- und Konsumgüterindustrie und sind quasi mit dem Fahrrad erreichbar. Diese Erfahrung ist eine wertvolle Basis für die nationale und internationale Skalierung des Startups.

In unserem Ideal sind wir also kein Silicon irgendwie oder irgendwas Valley. Das Hinterland als lebendiges B2B Startup Ökosystem und “repräsentatives Labor” in Kombination mit unternehmerischem Talent, familiengeführten Weltmarktführer:innen und Kapital ist ein zukunftsweisendes Spielfeld. Die Assoziation zu Pampa und Provinz findet nur in den Köpfen der Menschen statt, denn die digitale Welt ist global und funktioniert auch in abgelegenen Regionen wie unserem Hinterland of Things.

Dominik Gross
Über den Autor

Aus einem tiefen Verständnis für die Bedeutung von Entrepreneurship-Kompetenz als Treiber für einen erfolgreichen digitalen Wandel entwickelte Dominik gemeinsam mit seinem Co-Founder Sebastian und der Bertelsmann Stiftung die Founders Foundation. Seitdem führt er das Unternehmen als CFO mit Herzblut und Vision.

Als Architekt für die systematische Ausbildung von Tech-Unternehmer:innen baut Dominik dabei die nächste Generation erfolgreicher Gründer:innen auf und entwickelt hier in Bielefeld eine Blaupause für die Entwicklung eines starken B2B Startup Ökosystems.

Du willst noch mehr?

Schau dir hier in unserem Jubiläumsvideo den Rückblick auf die vergangenen 5 Jahre Founders Foundation an.

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