Daniel Krauss

Daniel Krauss: “B2B-Startups werden den neuen digitalen Mittelstand kreieren!”

Daniel Krauss kümmert sich bei Flixbus als CIO um die Bereiche IT, Mobile, Software Development. Seinen langjährigen Job bei Microsoft – und sein Auto 😉 – opferte er schließlich für den Aufbau von Europas größtem Fernbusanbieter. Im Interview verrät er, warum ihm die Bezeichnung “Unicorn” nicht wirklich etwas bedeutet, wieso Startups im B2B-Markt bald den neuen, digitalen Mittelstand bilden werden und welche Fehler er mit Flixbus auf dem Weg zum deutschen Topstartup bereut!

Bedeutet Dir die Bezeichnung “Unicorn” etwas?

Daniel: “Diese Bewertung bedeutet für mich nichts Besonderes. Wir sind nicht monetär getrieben und verfolgen keine Exitstrategie. Das ist nicht unsere Philosophie. Nach wie vor sind wir vor allem daran interessiert, das bestmögliche Angebot für unsere Fahrgäste bereitzustellen. Dass der Wert unseres Unternehmens steigt, ist dabei eher ein angenehmer Nebeneffekt.”

Wie ‘groß’ denkt ihr bei FlixBus? Was ist das Ziel?

Daniel: “Wir wollen das Thema Mobilität auch zukünftig neu denken und immer mehr Menschen vom Umstieg aus dem Individualverkehr überzeugen. Unser Ziel ist, eine smarte Vernetzung verschiedener Verkehrsträger zu erreichen, sodass mehr Menschen auf ihren Reisen den öffentlichen Personenverkehr nutzen und somit langfristig die Umwelt entlasten. Zudem entwickeln wir uns durch unseren Markteintritt in den USA und die Integration von ersten Zugverbindungen in Deutschland mehr und mehr zu einem globalen Mobilitätsanbieter.”

Du bist mittlerweile selbst Investor – auf was kommt es Dir bei Ideen und Startups an?

Daniel: “Bei einer unternehmerischen Idee kommt es aus meiner Sicht vor allem darauf an, dass sie langfristig gedacht ist und für die Gesellschaft einen tatsächlichen Mehrwert erzeugt. Außerdem sollte man eine gute Startup-Idee in zwei Sätzen zusammenfassen können. Unsere Vision ist es, per Fernbus und -zug möglichst vielen Menschen günstiges und bequemes Reisen zu ermöglichen. Zeitgleich ist so eine nachhaltige Mobilitätsalternative zum eigenen Auto entstanden. Künftige Unternehmer müssen stets nahe an ihrer Zielgruppe sein und langfristige Trends im Blick haben, um langfristig Akzente setzen zu können und einen Mehrwert für die Gesellschaft zu schaffen.”

Wie siehst Du Startups im B2B-Markt? Aus Deiner Sicht die beste Chance im globalen ‘digital race’ noch etwas zu reißen?

Daniel: “Ich würde nicht sagen die beste Chance, sondern eine weitere Chance die sehr gut zu den Kernkompetenzen der deutschen Wirtschaft passt. Im Unterschied zu B2C ist vor allem der Vertrieb herauszustellen, hier müssen sich junge Unternehmen sehr gut auf ihre Kunden einstellen. Natürlich ist das B2C Geschäft schnelllebiger, allerdings in einigen Bereichen auch vergänglicher. Ich bin mir sicher, dass wir im B2B Markt in den nächsten Jahren eine Art neuen deutschen, digitalen Mittelstand sehen und sehr gute Chancen im internationalen Vergleich haben werden.”

Was machen China oder die USA besser als Deutschland beim Thema “Digitalisierung” und “Disruption”?

Daniel: “Für uns war die Digitalisierung die Basis für unseren Erfolg. Uns ist die Digitalisierung eines analogen Verkehrsmittels und damit eine drastische Veränderung eines traditionellen Marktes geglückt. Das regulatorische Umfeld, welches auf dem europäischen Markt herrscht, kostet uns aktuell in Sachen Digitalisierung einiges an Boden. In der Theorie existiert ein großer europäischer Binnenmarkt, praktisch aber muss man sich mit unterschiedlicher Regulatorik auseinandersetzen. Für große Investoren ist diese Situation weniger attraktiv, als beispielsweise die Situation in Asien. Die namhaften Firmen, die in den USA oder in China entstanden sind, motivieren Investoren zusätzlich, ihr Kapital vorzugsweise dort einzusetzen.”

Ist Deutschland in den Bereichen Innovation und Zukunftstechnologien wie AI, Blockchain oder dem Internet der Dinge gut aufgestellt? Wenn nicht – was muss passieren?

Daniel: “Künstliche Intelligenz kann Prozesse in vielen Branchen automatisieren und perfektionieren. Unternehmen sollten diese neuen Möglichkeiten frühzeitig für sich nutzen, um mit ihrem Produkt Teil des künftigen digitalen Alltags zu sein. Wie viele digitale Unternehmen in Deutschland sieht sich FlixBus vor allem auch externen Widerständen, wie z.B. strengen Regulierungen oder veralteten Gesetzen, ausgesetzt. Es scheint, als ob mit der Digitalisierung von Unternehmen und der Gesellschaft etwas gefordert wird, dass unser Land und der Staat so noch nicht in der Lage sind voll und ganz zu unterstützen. Bestes Beispiel ist die Infrastruktur wie Breitband oder Mobilfunk.”

Gibt es für Euch einen Leitsatz, wenn man einen gesamten Markt ‘disrupten’ will?

Daniel Krauss

Daniel: “Disruption bedeutet, Dinge kaputt zu machen und etwas gänzlich Neues zu schaffen. Aus unserer Sicht ist eine komplette Disruption häufig gar nicht notwendig oder möglich. Nehmen wir einmal den Mobilitätsmarkt. Wir haben durch unser Geschäftsmodell, durch Prozessinnovationen und durch viele kleine Innovationen Dinge deutlich besser gemacht als zuvor. Man muss etwas nicht kaputt machen, aber man kann mit der Verbindung von Technologie, neuen Ideen und bestehenden Geschäftsmodellen Neues erschaffen, ohne dass man etwas Altes kaputt machen muss. Modernisierung statt Disruption kann hervorragend funktionieren.”

Wie war Eure Unterstützung während der Ideenfindung und Gründungsphase?

Daniel: “Wir mussten zu Beginn einen gewissen Aufwand betreiben, um die passenden Geldgeber zu finden. Zudem war aufgrund der gesetzlichen Reglementierungen noch unsicher, ob wir unser Geschäftsmodell überhaupt so würden umsetzen können. In dieser Phase führten wir enorm viele Gespräche und fanden so relativ zügig erste Partner, die zu uns passten. Unser erster Investor war Heinz Raufer, der Gründer von hotel.de. Dann kamen klassische Business Angels dazu. Auch Unternehmer aus der Busindustrie wurden auf uns aufmerksam. Im Mai 2013, drei Monate nach unserem Markteintritt, investierten dann ein VC Fonds von Holtzbrinck, UnternehmerTUM und eine Tochter von Daimler.”

Wie wichtig wäre für Dich eine “Startup-” und “Gründerausbildung”?

Daniel: “Enorm wichtig, denn die Themen Unternehmertum, Betriebswirtschaft und Informatik sind die Werkzeuge der Zukunft. Im Vergleich zu Latein z.B. sollte das deutsche Bildungssystem vor allem schon in der schulischen Bildung hierauf deutlich stärker eingehen. Ich bin froh, dass die Versäumnisse der Bildungspolitik zwischenzeitlich durch Initiativen wie StartUp-Teens zumindest zum Teil aufgefangen werden.”

Welchen Fehler habt ihr gemacht, den sich jeder Gründer sparen kann?

Daniel: “Eine gute Lektion für uns war sicher, dass man die wirklich wichtigen Dinge am besten selbst übernimmt, um alles nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Als wir angefangen haben, haben wir uns auf verschiedene externe Partner verlassen, die unterschiedliche Aufgaben für uns übernommen haben. Zum Beispiel hat eine Agentur unser erstes Buchungssystem entworfen. Nach einiger Zeit haben wir realisiert, dass man solch große Aufgaben am besten selbst entwickelt. Das war vielleicht der größte Fehler.

Davon abgesehen waren wir außerdem immer sehr schlecht darin, unsere Büros zu planen. Sie wurden uns immer schon nach kurzer Zeit zu klein, sodass wir wieder umziehen mussten.

Wenn ich eines bereue, ist es, nicht auf die Ratschläge erfahrenerer Leute – meist unserer Angels – gehört zu haben, die uns vor Fehlern bewahren wollten, die sie selbst zuvor gemacht haben. Mehrmals wurde uns gesagt: „Ich habe das schonmal erlebt und es hat so nicht funktioniert. Lasst es uns lieber anders probieren.“. Und rückblickend mussten wir uns eingestehen, dass sie häufig Recht hatten. Wir mussten natürlich unsere eigenen Erfahrungen sammeln und das war auch richtig so. Dennoch wäre es einfacher gewesen, wenn wir auf bestimmte Leute gehört hätten. Mein erster Ratschlag an junge Unternehmer ist es, sich erfahrene Partner zu suchen, wenn man ein Unternehmen gründet. Mein Zweiter Ratschlag ist, ihnen wirklich zuzuhören und ihre Ratschläge zu bedenken.”